Italien: Ist die nächste Bankenkrise auf dem Weg?

Italien: Ist die nächste Bankenkrise auf dem Weg?

2008 war das globale Bankensystem am Rande des Zusammenbruchs. Die amerikanischen Banken sind mittlerweile wieder hoch profitabel, aber wie sieht es mit den europäischen Banken aus? Es scheint so, als würden zurzeit einige der großen europäischen Institutionen wackeln. Eine Kombination von verschiedenen Faktoren, wie erhöhte regulatorische Kosten, Verschlafen der Digitalisierung und exorbitante Geldbußen (vor allem in den USA), erhöht den Druck. Ein Blick auf die Deutsche Bank lässt beispielhaft erahnen, wie schnell es geht, von Finanzinstitut mit globalem Führungsanspruch zur Krisenbank zu werden.

Wenn man die Aufmerksamkeit auf Italien richtet, sieht die Situation noch allarmierender aus. Neben den allgemeinen Herausforderungen gibt es dort noch spezifische inländische Gründe, die die Probleme des italienischen Bankensektors verschlimmern. Acht der größten Banken Italiens kämpfen mit einem Berg von faulen Krediten, der sich über viele Jahre in den Büchern aufgetürmt hat. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des italienischen Kleinunternehmerverbands Confederazione Generale Italiana Artigiani Mestre (CGIA), beläuft sich die Summe der faulen Kredite, die die italienischen Banken belasten, bereits im September 2016 auf über 180 Milliarden Euro. Monte dei Paschi di Siena (MPS), die älteste Bank der Welt und Italiens drittgrößte Bank was die Bilanzsumme betrifft, ist der spektakulärste Fall unter den italienischen Banken, die sich nach gescheiterter Aufstockung des Eigenkapitals am Kapitalmarkt, nun Hilfe suchend an den Staat wendet. Zur Veranschaulichung: ein Marktwert von gerade noch einer Milliarde Euro steht mindestens 40 Milliarden Euro fauler Kredite gegenüber.

Während diese Situation in Italien sicherlich auch das Ergebnis fahrlässiger Geschäftspraktiken der italienischen Banken ist, insbesondere was die Vergabe von Krediten betrifft, hat sich die Situation dennoch über viele Jahre aufgebaut. Deshalb müssen auch die Politik und der Regulator kritisch über ihre Rolle in diesem Chaos nachdenken. Ein Mangel an starken Überwachungsmechanismen und uneinheitlichen Regeln kann hat die Situation sicherlich mitbefördert. Dies erhöht zusammen mit der Unfähigkeit der politischen Entscheidungsträger, starke und nachhaltige Reformen durchzuführen, das Risiko einer schweren Bankenkrise in Italien deutlich. Schon jetzt stellen italienische Kreditnehmer höhere Hürden beim Zugang zu neuen Krediten fest. Wie immer sind es die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die am meisten unter einer Verschärfung der Kreditvergabe leiden.

Paolo Zabeo von CGIA hebt hervor, dass große italienische Konzerne traditionell gute Beziehungen zu Banken pflegen, während kleine und mittelständische Unternehmen diese Art von Verhandlungsvorteil nicht aufweisen können. Mit einem Anteil von über 130 Milliarden Euro der insgesamt 180 Milliarden Euro aller faulen Kredite, stehen die Großkonzerne bei den italienischen Banken in der Kreide. Man muss sich an dieser Stelle die Frage stellen, ob die Kreditvergabe an große marktbeherrschende Unternehmen zu Lasten der KMU, auch eine Folge persönlicher Seilschaften und Missachtung angemessener Risikoanalysen ist.

Trotz leicht positiver Tendenz, hat Italien im Vergleich mit anderen EU Ländern noch immer die säumigsten Schuldner. Erschreckend ist, dass besonders die öffentliche Hand in erheblichem Maße Zahlungsfristen überschreitet. Der Staat macht in Italien den größten Anteil der säumigen Zahlungen aus und belastet seine Wirtschaft damit erheblich. Säumige Zahlungen sind auch der Grund, warum Unternehmen auf Zwischenfinanzierungen zurückgreifen müssen. Diese schlechte Zahlungsmoral belastet die Liquidität und zwingt gerade kleinere Unternehmen oftmals in die Insolvenz, was den Bestand fauler Kredite in den italienischen Banken nur weiter erhöht. Kleine und mittelständische Unternehmen bilden das Rückgrat der italienischen Wirtschaft. Je schwerer es also für diese Unternehmen ist auf Darlehen zuzugreifen, desto größer ist das Rezessionsrisiko der italienischen Wirtschaft insgesamt. Dieser Teufelskreis muss schnellstmöglich durchbrochen werden. Zum Glück erobern mittlerweile FinTech Unternehmen den italienischen Markt. Sie versprechen einen verbesserten Zugang kleiner und mittelständischer Unternehmen zu Krediten.

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